Projektbericht

Der Weg zur Hologramm-Vitrine

Im Rahmen der Ausstellung »Denk:Mal! 150 Jahre Hermannsdenkmal« im Lippischen Landesmuseum entwickelten unsere Forschenden innovative digitale Hologrammvitrinen. Durch die Vitrinen ist es möglich, weltweit verteilte Denkmäler als digitale Zwillinge in das Museum zu transferieren, um sie dort den Besuchern als schwebende Hologramme präsentieren zu können.

Ziel des Projektes? Durch den Einsatz modernster Technologie die lokale Kultur unterstützen und neue Zuschauergruppen für das Museum erschließen!

Projektbeteiligte

Marc Schneider
Jan Pieniak (Projektleiter)
Dr. Stephan Berke (Kurator – Landesmuseum)
Julia Schafmeister (Kuratorin – Landesmusem)
Dr. Michael Zelle (Museumsdirektor – Landesmuseum)

Projektstatus

­­­­Abgeschlossen – Weiterentwicklung einer interaktiven Hologramm Vitrine befindet sich in der Planungsphase

Denkmäler der ganzen Welt
reisen nach Detmold

Im Rahmen der Ausstellung Denk:Mal! sollten weltweit verteilte Denkmäler ins Landesmuseum nach Detmold transferiert werden und Einzug in das Museum erhalten. Doch wie stellt man diese Denkmäler in der Ausstellung für eine Zuschauergruppe innovativ und unterhaltsam dar, außer mittels klassischer Fotografie oder Bildern?

Die Monumente sollten für Besucher von allen Seiten erlebbar sein und einen möglichst hohen Detailgrad aufweisen. Welches Medium erfüllt diese Anforderungen? Am KIO haben wir hierzu eine maßgeschneiderte Lösung entwickelt: Im ersten Schritt werden ausgewählte Denkmäler digitalisiert – und die entstehenden 3D Kopien, welche als digitaler Zwilling bezeichnet werden, können anschließend als Hologramm im Museum ausgestellt werden. Im nächsten Schritt galt es dann, eine geeignete Maschine zu entwickeln, welche fähig ist, die Hologramme in ansprechender Größe darzustellen. 

Der digitale Zwilling – wie ein Denkmal digital verreisen kann

Die Denkmäler, die für die Ausstellung ausgewählt wurden, wurden per Drohne auf mehreren Ebenen umflogen und fotografiert. So wurden von einem einzigen Objekt mehrere hundert bis tausende Fotos erzeugt. Diese Fotos wurden weiterverarbeitet und per klassischer Fotogrammetrie zu einem ersten 3D-Modell zusammengebaut.

Die entstandenen Modelle wurden anschließend nachbearbeitet, da ihre Datenmenge riesig ausfällt! Ansonsten wäre eine spätere Nutzung in gängigen 3D-Workflows sehr schwierig gewesen. Diese Vorgehensweise wurde für alle Denkmäler wiederholt, sodass digitale Kopien der Originale entstanden, samt der exakten Dimensionierung, Kolorierung etc., eben ein richtiger digitaler Zwilling.

Fertiger digitaler Zwilling / Fotogrammetrie

Entwicklung der Hologrammvitrine

In der ersten Projektphase wurden im XR-Labor des KreativInstituts technische Tests durchgeführt sowie Prototypen entwickelt. Basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen konnte die Hologrammvitrine digital dargestellt und im CAD-Programm geplant werden. Während unserer Entwicklungsarbeit war es uns möglich, das genutzte Projektionsverfahren zu verbessern, sodass wir das Projektionsvolumen des Hologrammes um 37% vergrößern konnten. Dies stellt einen immensen Vorteil gegenüber herkömmlichen Ansätzen dar, weil nahezu die gesamte Pyramidenseite für die Darstellung des Hologramms genutzt werden kann.

CAD Konstruktionszeichnungen und das erweiterte Projektionsvolumen

Jede einzelne Hologrammpyramide fungiert im Museum als „Multi-Hologramm-Display“, da um eine Pyramide vier Themeninseln angeordnet sind. Eine Richtung verkörpert dabei thematisch ein spezifisches Denkmal. So wurde ein interaktives System entwickelt, welches es dem Besucher erlaubt, je nach Themeninsel das entsprechende Denkmal mit einem Button-Klick einzublenden.

Entwicklung der Button-Logik

Das DACH Problem

Im Rahmen der Entwicklung war es nötig, das Dach der Holopyramide zu vergrößern, um die benötigte Technik dort verorten zu können und um ungewollte Reflektionen in der Glasstruktur zu vermeiden. Aus diesen Gründen definierte also die Funktion des Daches auch die Form.

Allerdings war im Vorfeld nicht ganz eindeutig, ob das Dach zu ausladend wäre und sich auf einer Höhe befinden könnte, an der sich die Zuschauer den Kopf stoßen würden. Um die Dimensionen in realer Größe zu erfahren und finale Werte zu definieren, nutzten wir im XR-Labor die CAD-Konstruktion und stellten diese mittels eigens entwickelter Augmented Reality-App dar.

So war es möglich, den digitalen Zwilling der Holopyramide für eine Fallstudie zu nutzen, in der wir untersuchten, wie sich potenzielle Besucher um die Vitrine bewegen und ob die Dimensionen des Daches ein Problem darstellen würden.

Mit unserer eigens entwickelten AR-Anwendung kann die CAD Konstruktion im XR-Labor aufgerufen und untersucht werden!

Schnell zeigte sich durch die digitale Simulation in realer Größe: Das Dach musste noch leicht angepasst werden. Abschließend konnte – durch die Analyse der Bewegungsmuster der potenziellen Zuschauer – die Dachform und Höhe finalisiert werden. Der Bau des Korpuses konnte beginnen!

In der Schreinerei entstehen
Dächer und Korpusse

Einen Platz im Museum finden – mit AR unterstützung

Im Rahmen der Ausstellung wurden drei Hologrammvitrinen umgesetzt. Um die finalen Standorte im Museum zu definieren und entsprechende Fluchtwege sowie Bewegungsflächen zu simulieren, nutzten wir ebenfalls unsere AR-Applikation. So konnten die Hologrammvitrinen als digitale Objekte an unterschiedlichen Standorten im Museum in realer Dimensionierung simuliert und getestet werden. So war es einfacher, mit Kurator*innen und Messebauern die finalen Positionierungen zu definieren.

Aufgrund ihrer physischen Baugröße von 2,50m x 2,50m x 2,40m und dem Bewegungsumfeld der Zuschauer, nimmt ein einzelnes Holovitrinen-Exemplar eine Gesamtfläche von 5m x 5m ein.

Feedback und Eröffnung

Im Rahmen unserer Entwicklung konnten wir das Projektionsvolumen signifikant verbessern – und die Immersion der Hologramme weiter steigern, da sie als schwebende Lichtobjekte im Glasvolumen selber Licht auf den Boden der Pyramide emittieren. Der interaktive Layer erlaubt es dem Besucher, mit der jeweiligen Vitrine zu interagieren. So integrieren wir die Objekte die Zuschauer aktiv in die Ausstellung.

Im November wurde die Ausstellung offiziell eröffnet und vom WDR per Live-Schaltung im lokalen TV gefaetured! Ebenfalls berichteten weitere Fernsehanstalten und Printmedien über eine gelungene Ausstellung. Die entwickelten digitalen, virtuellen Darstellungsformen konnten eine überdurchschnittliche Anzahl an Besuchern in das Museum locken. Auch Wochen später, sowie aktuell, erhalten wir und das Museum positives Feedback über die gelungene und moderne Ausstellung, welche noch bis zum 26.04.26 im Landesmuseum Detmold zu erleben ist. Wir als KreativInstitut freuen uns, die lokale Kultur- und Kreativwirtschaft erfolgreich zu unterstützen, und bedanken uns ebenfalls für die herausragende Kooperation.

Wo kann man das erleben?

Aktuell kann man die Holovitrinen im Lippischen Landesmuseum in Detmold erleben. Für unseren Teamtag haben auch wir uns nochmal dorthin begeben!

Die Ausstellung läuft noch bis zum 26.04.2026 und es gibt noch weitere digitale und virtuelle Bausteine aus dem KIO zu entdecken. Man kann außerdem auf ein riesiges Hologramm mit 3,50m Höhe treffen und im VR-Erlebnis repArminius Ernst von Bandel (den Erbauer des Hermannsdenkmals) treffen und ihm helfen, das Denkmal zu finalisieren!

Beachtet auch die speziellen Sonderführungen im Museum, wie z. B. am 21.04.26: Hier kann man noch mehr technische Hintergründe erfahren und mit uns in den Dialog gehen. Wir freuen uns auf euch!

Teamtag: Das KIO kommt in der Ausstellung zusammen und beglückwunscht die beteiligten Kollegen und das Team des Landesmuseums

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